Reichenstein
ist idyllisch an der Waldaist im Schnittpunkt der Gemeinden Gutau,
Pregarten und Tragwein gelegen. Im 13. Jahrhundert erstmalig erwähnt,
hatte es mehrere Besitzer. Reichensteiner, Kapeller,
Liechtensteiner, Haym, Sprinzenstein und seit 1729 Starhemberg.
Nachdem die Verwaltung nach Schloß Haus verlegt wurde, verfiel das
Schloss und wurde Ruine, mit Ausnahme der Schlosskapelle, die eine
eigene Kaplanei ist und zur Pfarre Pregarten gehört.
BURG
Der
aus der Steiermark stammende, katholische Ritter CHRISTOPH HAYM
(auch Heim) hat 1567 Burg und Herrschaft Reichenstein gekauft.
Reichenstein war damals aber ausnahmslos protestantisch. Für die
Erweiterung der damals noch kleinen Burg zu einem großen, prächtigen
Renaissanceschloss benötigte der Ritter viel Geld, wozu er alle
Leistungen seiner Holden wie Robot, Zehent und Freigeld ungesetzlich
erhöhte, weswegen es zu einem Aufstand und sogar zu einem Sturm der
empörten Bauern auf das erst halb fertige Schloss kam, der aber
abgeschlagen werden konnte. Aus Rache dafür ließen die Rebellen
zwei Meierhöfe in Flammen aufgehen. Aber trotz dieses
Landfriedenbruches, auf dem die Todesstrafe stand, wurden die Bauern
nur insofern bestraft, als sie bis zur Fertigstellung der Burg auf
eigene Kosten Soldaten zu ihrer Bewachung halten mussten. Man hatte
wahrscheinlich doch berücksichtigt, dass die übermäßigen
Forderungen Hayms an allem schuld waren. Es wurde sogar in einem
Vertrag festgehalten, wie hoch die zukünftigen Leistungen nur sein
durften. Da sich aber Haym nicht an die Abmachungen hielt, ging der
Widerstand gegen den ohnehin in religiösem Widerspruch stehenden
und sicher auch hartherzigen Herrn weiter. Und schließlich wurde
der verhasste „Leuteschinder“, als er von einer Inspektion
seiner Güter heim ritt, im Wald auf dem Hofberg (heute Gmeinerberg
genannt) hinterrücks erschossen und in seiner Vogteikirche Wartberg
beigesetzt. (Heute „Wenzelskirche“ in Wartberg ( 7 Km von
Reichenstein) und weithin sichtbar mit seinem steilen Dach) Der Täter
war damals vermutlich Simon GAISRUCKER. Heute heißt der Hof noch
immer GAISRUCKER und ist auch in der Nähe von Reichenstein im
Gaisruckdorf.
1988
wurde der Erhaltungs- und Kulturverein gegründet, der die Ruine von
Schutt befreite, das Mauerwerk sicherte und wo notwendig
wiederaufgebaut hat. Es finden Kultur- und Musikveranstaltungen
statt, sowie die von Sophia Larson und Mag. Hans Sisa initiierten
Malerfeste ( 1997 / 2000 / 2003 / 2006 / 2009 ).
Im
Rittersaal in den Fensternischen befinden sich Fresken aus der Zeit
um 1600, als unter Christoph Haym das Schloss neu gebaut und vergrößert
wurde. Es sind allegorische Darstellungen aus der antiken Mythologie
mit verschiedenen Gottheiten und deren Attributen, sowie kraftvolle
Männer und Frauengestalten.
BURGKAPELLE
In
der kleinen Burgkapelle Reichenstein ist an den Spitzsäulen des
prachtvollen Epitaphs, des Gedenksteins für Christoph Haym,
beiderseits der überlebensgroßen, gewappneten Figur des hünenhaften
Ritters Szenen aus seinen Kriegserlebnissen, wie die Gefangennahme
des Haudegens durch die Türken, aber auch durch die Franzosen
dargestellt, was in beiden Fällen nur gelang, weil sein Pferd stürzte.
Zu
seinen Füßen liegt – im Sockel des Standbildes – auf einem
Sarkophag ein nacktes Knäblein, das auf der Brust ein Kreuz hält
und dessen gelocktes Haar von einem Lorbeerkranz umwunden wird. Ein
lateinischer Sinnspruch, der unter dem Sarkophag angebracht ist,
lautet übersetzt etwa: „Das Leben wird keinem zu seiner eigenen
Verfügung gegeben, sondern allen zum rechten Gebrauch“.
Diese
Darstellungen dürften zu den zwei bekannten Reichensteiner Sagen
Anlass gegeben haben, in deren einer von der Befreiung Hayms aus türkischer
Gefangenschaft durch das aufopferungsvolle, lebensgefährliche
Abenteuer seiner Gemahlin in der Verkleidung eines fahrenden Sängers
erzählt wird (erinnert an die Handlung des FIDELIO), während die
andere Sage von der Entführung
des Gaisruckerkindes und dessen unmenschliche Einmauerung bei
lebendigem Leibe (um die Burg nach altem Aberglauben uneinnehmbar zu
machen) zu berichten weiß.
HISTORISCHE SEHENWÜRDIGKEITEN
am Ort Reichenstein
Auf
kulturellem Sektor kann der Ort Reichenstein sehr viel bieten. Burg,
Burgkapelle, Kalvarienberg sind historische Gebäude, die in den
letzten Jahren von Mitgliedern des Burgvereines, der
Dorfgemeinschaft und darüber hinaus von vielen freiwilligen Helfern
gesichert und großteils renoviert wurde.
Der
KALVARIENBERG ist
gegenüber der Burg und wurde durch den Straßenbau um 1910 von der
Burg getrennt.
WALDAISTSTÖCKL:
Museum über den ursprünglichsten
Mühlviertler Fluss „Waldaist“, direkt neben der Burgkapelle. Um
1900 war in hier die Volksschule untergebracht.
VOLKSSCHULE REICHENSTEIN:
Die Volksschule war mehrmals von der Schließung bedroht so
wurde 1984/85 ein Sanierungsplan ausgearbeitet, nämlich das
Schulhaus gemeinsam mit der Bevölkerung des Schulsprengels,
ehemaligen Schülern, Firmen und mit der Gemeinde zu renovieren. Es
ist wohl einmalig zu nennen, dass es so viele freiwillige Helfer über
Wochen hinweg gab.
"MÜHLVIERTLER
HASENJAGD"
Etwa 20 km von Reichenstein
entfernt lag während des Dritten Reichs das Konzentrationslager
Mauthausen. In der Nacht des 2. Februar 1945 brachen fast 500
Gefangene des Konzentrationslagers aus. Ihre Verfolgung und
Ermordung, bezeichnet als "Mühlviertler Hasenjagd", ist
eines der schrecklichsten Kapitel in der NS-Geschichte Oberösterreichs.
Hans
Sisa hat diesem Ereignis einen großen Gemäldezyklus gewidmet.
NEUESTE
GESCHICHTE
2002
war das große Hochwasser im Waldaist- und Aisttal. Die Feldaist und
die Waldaist fließen kurz oberhalb von Schwertberg in Hohensteg
(ca. 9 Km von Reichenstein flussabwärts) zusammen, und die „Waldaist“
heißt von dort weg dann nur mehr „AIST“. Nach dem Hochwasser
2002 wurde fast 3 Jahre an der neuen Aisttalstrasse gebaut, die seit
Herbst 2005 wieder befahrbar ist.
BUCH über
REICHENSTEIN „burg – fluss – mensch“, erschienen
1999, Herausgeber: Schuldirektor Felix Mayr, A 4232 Hagenberg |


Mühlviertler
Hasenjagd, Gemälde von Hans Sisa
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